Polar-Blog | Meldung aus der Kategorie: Im Reich der Eisberge von Grönland: 18.09. - 28.09.2016

Reisegruppe auf dem Weg zum Kangia Eisfjord
Publiziert: Freitag, den 28. Oktober 2016

Kangia Eisfjord & Boarding

Tag 03 – 20. September 2016: Der Kangia Eisfjord ruft

Schon früh am Morgen werde ich von ungewohnten Lauten geweckt. Ich blicke nach draußen und öffne das Fenster noch etwas weiter. Die Sonne ist noch nicht ganz oben und ich höre das Heulen der Schlittenhunde aus der Ferne. Immer wieder werden die Laute leiser und dann wieder kräftiger. Ich bleibe noch eine Weile im Bett liegen und genieße diesen außergewöhnlichen Morgen.

Nach dem Frühstück fahren wir zum Ausgangspunkt unseres ersten Spaziergangs dieser Reise. Wir laufen über einen Holzpfad zum Kangia Eisfjord. Dieser zählt seit 2004 zum UNESCO Weltkulturerbe. Hier sammelt sich Eis in allen Formen und Größen. Die Eisstücke und riesigen Eisberge stammen vom Gletscher Sermeq Kujalleq am anderen Ende des Fjordes weiter im Landesinneren. Bei strahlendem Sonnenschein genießen wir die traumhafte Aussicht ins Eis. Das endlose Weiß glitzert in den Strahlen der Sonne und wir können uns gar nicht satt genug sehen. Eine Tasse Tee und ein bisschen Gebäck von unserer Kristina kommt uns gerade gelegen. Wir verweilen hier ein wenig bis wir den Rückweg antreten. Dabei kommen wir wieder an der Mündung des Fjordes vorbei. Von hier aus können wir die riesigen Eisberge sehen, die sich aufgrund eines Moränenfeldes an dieser Stelle sammeln und erst weiter wandern, wenn diese ausreichend abgeschmolzen sind und somit nicht mehr am Grund hängen bleiben. Fischerboote kreuzen hier ihren Weg und uns wird bewusst wie winzig klein die Boote gegenüber den riesigen Eisbergen sind.

Zurück am Ausgangspunkt begrüßt uns ein kleiner Hundewelpe. „Der muss immer guten Tag sagen!“, meint Kristina. Wir knuddeln den kleinen ein wenig, obwohl wir eigentlich gar keine Hunde anfassen dürfen. Dieser ist jedoch einfach nur verspielt und kennt Kristina.

Von hier aus haben wir etwas Zeit, den Ort auf eigene Faust zu erkunden, bevor wir am Nachmittag auf das Schiff gehen werden. Jeder geht auf die eigene Erkundungstour. Wir schauen uns ein wenig in den niedlichen Shops um, dem Fischmarkt und landen alle in einer kleiner Handwerkstatt. Hier sehen wir direkt zu, wie Grönländer aus Rentierknochen kleine Kunstwerke schnitzen. Mit Händen und Füßen verständigen wir uns kurz mit einem der Künstler und schauen uns um.

Das Warten hat ein Ende – Boarding der MS Cape Race

Einige von uns finden sich in einem kleinen Café mitten im Ort wieder. Die Sonne scheint herein und wir beobachten das Treiben draußen auf der Straße. Nicht viele Einheimische sind zu Fuß unterwegs. Für einen so kleinen Ort fahren sehr viele Autos und Lastwagen vorbei.

Endlich ist es so weit. Wir machen uns auf den Weg zum Hafen von Ilulissat. Ein Weg führt uns bergab direkt zum Anleger. Und da liegt sie – die Cape Race!
Wir haben noch Zeit, uns in dem Wirrwarr des Hafens umzusehen. Der Geruch der Fischerboote hängt uns in der Nase. Als er uns zu streng wird, werden wir zum Schiff gerufen. Kim, unser Kapitän und unsere beiden Guides, Chris und Dierk, empfangen uns am Schiff.

Nach kleiner Kletterkunst mit helfenden Händen stehen wir an Deck. Ganz kurz werden uns unsere Kabinen gezeigt, bevor wir ablegen und uns direkt wieder an Deck des Schiffes treffen. Mit leckeren Drinks und Häppchen werden wir von unseren Guides an Bord begrüßt, während das Schiff den Hafen verlässt. Unsere Blicke gehen schnell in die Umgebung, denn die ersten Eisblöcke ziehen an uns vorbei. Unser Kapitän navigiert uns in Richtung der riesigen Eisberge vor dem Kangia Eisfjord. Bei stimmungsvollem Abendlicht durchqueren wir das weitläufige Feld der gigantischen Eisberge. Wir können die abstrahlende Kälte direkt fühlen, was uns nicht davon abhält, an der Reling die atemberaubende Kulisse zu bestaunen.

Nach dem Abendessen sind wir alle geschafft von dem Tag und den vielen neuen Eindrücken. Wir gehen alle früh ins Bett. Viel Schlaf gab es jedoch zunächst nicht, denn gleich an unserem ersten Abend wurden wir von Chris geweckt – Nordlichter! Dick eingepackt stehen wir alle an Deck. Der Mond scheint und es ist etwas Seegang, als sich über uns nach und nach die Nordlichter verstärken. Mit einem mal ziehen diese komplett über uns hinweg. Egal in welche Richtung wir sehen, überall werden nun die Lichter stärker. Wir beobachten eine Weile das Spektakel, bevor wir völlig überwältigt schlafen gehen.

Lisa Kempe

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